Rezension: Reiseführer Deutschlands Osten – Polens Westen

Hier rezensiere ich den Reiseführer Deutschlands Osten – Polens Westen. Unteres Odertal · Oderbruch · Warthebruch · Lebuser Land von Christine Stelzer aus dem Steffen Verlag.
Das Buch ist in der 1. Auflage 2014 erschienen.

Der Steffen Verlag aus Berlin deckt mit seinen Reiseführern Deutschlands äußersten Osten (und darüber hinaus, wie wir sehen werden) ab. Die hier besprochene Veröffentlichung ist der zweite Teil einer dreifachen Serie, welche die touristischen Highlights rechts und links der Oder vorstellt. Die Autorin, Christine Stelzer, hat auch schon andere Reiseführer und Regionalbeschreibungen verfasst.

Ich rezensiere dieses Buch deshalb, weil es sich eben auch mit der (Ost)Uckermark und seinem Gegenüber – der Neumark – beschäftigt.

Christine Stelzer - Reiseführer Deutschlands Osten - Polens Westen

Reiseführer

Vorgestellte Regionen

Das insgesamt auf 206 Seiten abgehandelte Gebiet erstreckt sich von der Stadtgrenze Stettings bis bis Höhe Neuzelle. Das Buch folgt dem Prinzip „erst links der Oder – dann rechts der Oder“ Dazwischen werden spezielle Themenkapitel wie „Tour für Grenzgänger im Klosterland“ eingestreut.

Die vorgestellten Gebiete sind folgende:

  • Unteres Odertal – Dolina Dolney Odry
  • Im Oderbruch – Ujscie Warty
  • Lebuser Land (Oder-Spree-Seengebiet – Ziema Lubuska

Die Sonderkapitel:

  • Tour für Grenzgänger im Klosterland
  • Tour für Grenzgänger zu Gedenkorten
  • Grenzgänger Tipps

Im Anhang befinden sich ein Personen- und Sachregister sowie eine kleine geschichtliche Abhandlung, wie die Oder Grenze wurde und ein kleiner Sprachführer, mit dem man als Tagestourist ganz gut über die Runden kommen sollte. Die grenznah wohnenden Polen haben sich aber schon derart auf die Deutschen (Einkaufs)Besucher eingestellt, dass man auch nur mit Deutsch ganz gut auskommt. Trotzdem gebietet es die Höflichkeit, sich mit der Sprache der Nachbarn zu beschäftigen.

Entlang der Oder wird unterschiedlich ausgelegt. Während auf der linken Oderseite fast wirklich nur flußnahe Sehenswürdigkeiten besprochen werden, kann es rechts der Oder deutlich bis 80 und 100 km ins Landesinnere gehen. Diese Gebiete sind aber auch dünner besiedelt, weshalb man zum Teil weit fahren muss, bis man auf ein Highlight von Wert stösst.

Welche uckermärkischen Hotspots werden angeschnitten:

  • In Prenzlau die Marienkirche und das Dominikaner-Kloster
  • die Elchfarm in Kleptow
  • die Gedächtniskirche in Rosow
  • In Gartz die Kranichwochen
  • In Schwedt der Hugenottenpark und das jüdische Ritualbald (Mikwe)
  • das Tabakmuseum Vierraden
  • der Geopark in Groß-Ziethen
  • In Angermünde der Marktbrunnen, das Ehm-Welk-Museum und die Franziskaner-Klosterkirche
  • das Weltnaturerbe Grumsiner Forst
  • der Grützpott in Stolpe
  • und natürlich der Nationalpark Unteres Odertal

Man könnte jetzt fragen, warum diese und nicht andere Reiseziele? Vor allem in Schwedt bin ich mit der Auswahl nicht so ganz einverstanden, kann aber die Intention verstehen.
Das Buch ist insgesamt (mit Anhang) nur 206 Seiten stark und muss einen riesigen Kulturraum abdecken. Man würde sich wünschen, dass diese Veröffentlichung mindestens doppelt so umfangreich ausgefallen wäre, denn Beschreibung und begleitendes Bildmaterial sind von sehr guter Qualität. Es wird zwar meiner Meinung nach zu sehr Wert auf die geschichtliche Abhandlung gelegt, aber das erfolgt ganz und gar nicht trocken oder uninteressant. Allerdings könnte das Buch mehr wie ein Reiseführer geschrieben sein. Diese Biographien und Ortsbeschreibungen sind ja ganz nett, aber der Leser erwartet sicher auch praktische Tips. Wo kann ich nach der Besichtigung gemütlich einen Kaffee trinken, wo gibt es preiswerte Unterkünfte, falls ich eine Radtour über das Wochenende plane? Was sollte ich gesehen, was unternommen haben? Wie reise ich an und ab? Es hat sich bei anderen Reiseführern gezeigt, dass eine gesonderte Auflistung oder Einflechtung solcher Handlungsempfehlungen und Infos gewünscht und auch gut angenommen wird.

Hier würde ich in der folgenden Auflage (die dieses Buch sicher erlebt) ansetzen.

Die Verarbeitung ist nach meiner Einschätzung etwas zu schwach ausgefallen. Der Reiseführer hat zwar die richtige Größe für die Umhänge- oder Jackentasche, wird dort aber schnell angemackt und geknickt werden. Das Papier ist zu leicht, der Einband zu schwach. Die Aufklappkarten im Einband geben eine grobe Orientierung – ich empfehle dennoch den Zukauf einer Wander- oder Tourikarte.

Trotz der gaufgezählten Mängel bzw. Unstimmigkeiten jetzt mein Playdoyer zum Kauf des Buches:

Endlich ein Reiseführer, der nicht an der Oder bzw. den mittlerweile bekannten Points of Interests wie dem Tal der Liebe bei Schwedt oder Küstrin Halt macht. Vor allem die polnischen Ausflugsziele werden beim Leser zu einigen Aha-Effekten führen. Was es dort nicht alles gibt! Die Oder ist auch erst seit dem Ende des 2. Weltkrieges der Grenzfluss von heute. Jahrhunderte zuvor war sie einfach nur ein großer Strom in Deutschlands Osten. Eher verbindend als trennend und ausgrenzend. Kein Mythos wie der Rhein, keine Legende wie die Donau. Sie war einfach nur da. Zu diesem Verständnis der Oder und ihrer angrenzenden Regionen sollten wir zurückkehren.

Dieser Reiseführer ist ein Schritt auf dem Weg dorthin und sollte in keiner Reisetasche eines Ostdeutschland-Interessierten fehlen. Das Bücherregal ist für diese Art von Büchern der falsche Ort. Es will zu Erkundungstouren anregen und liefert erste Anlaufpunkte, die Lust auf mehr machen.

Dafür ist ein Preis von 12,95 € mehr als gerechtfertigt.