Uckermark ist Sieger beim Bundeswettbewerb nachhaltigste Tourismusregion

Die Uckermark hat es also geschafft: Im Bundeswettbewerb der nachhaltigen Tourismusregionen 2012/2013 eroberte sie den 1. Platz.

Die Entscheidung ist zwar noch ganz frisch aber irgendwie doch nicht sehr überraschend. Der Uckermark wurden bereits vor der Preisverleihung die besten Chancen eingeräumt, und das obwohl das aus 34 Regionen bestehende Bewerberfeld mit dem Schwarzwald, dem Allgäu, dem Bayerischen Wald und auch Juist (um nur einige zu nennen) richtige Schwergewichte aus dem Tourismus aufweisen konnte.

Natürlich ist dies erst einmal ein Grund zum Feiern! Die Leute, die sich hier jahrelang abrackern, um ein Angebot auf die Beine zu stellen, erhalten damit wenigstens ein Stück Anerkennung.
Aber hier ist auch ein gehörig Maß an Skepsis über den Sinn dieses Wettbewerbes angebracht.

Preisträger – wieso, weshalb, warum?

Hat dann die Uckermark wirklich das beste Angebot im Bereich des nachhaltigen Tourismus? Oder sich einfach nur am besten präsentiert?
Wie wird Nachhaltigkeit im Entscheidergremium überhaupt verstanden? Nach welchen Kriterien wurde genau entschieden? War es vielleicht auch ein Stück weit eine politische Entscheidung, weil wir Uckermärker uns so willenlos der Energiewende hingeben? Oder die Kanzlerin in Templin aufgewachsen ist?

Ökostrom, energetische Gebäudesanierung und regionale Bioprodukte waren die ersten Begründungen, die ich gelesen habe. Dann gab es nach und nach weitere Hinweise, wie die Sensibilisierung der Bevölkerung für Nachhaltigkeit, der Beitrag der Tourismusbranche zur Nachhaltigkeit usw. usf. Auf die Veröffentlichung des Kriterienkataloges können wir wahrscheinlich lange warten.
Mit einigen aufgezählten Punkten habe ich so meine Probleme. Das in Sachen Ökostrom florierende Wunderland Brandenburg hat sich diese Spitzenposition durch die Landschaftsverschandelung teuer erkauft. Nun gibt es zwar „sauberen“ Strom, aber nicht wenige Touristen bleiben dadurch weg. Ja, die Landschaft ist zu weiten Teilen menschenleer, da mag das nicht so ins Gewicht fallen (meinen einige). Aber braucht denn eine fast entvölkerte Landschaft einen Individualtourismus?

Energetische Gebäudesanierung ist ein schönes Schlagwort, aber für den Touristen bei der Wahl seines Urlaubszieles doch nicht wirklich ausschlaggebend. Ich habe noch kein Ehepaar bei der Urlaubsplanung sagen gehört: Ach schau mal Schatz, die betreiben dort umfassende energetische Gebäudesanierung – lass uns dort in den Urlaub hinfahren.
Gegen die Nutzung regionaler und saisonaler Produkte (es muss ja nicht unbedingt Bio sein) kann ich nichts sagen, das findet meine Unterstützung, wenn es denn generell so gehandhabt werden würde. In viel mehr Bereichen. Geschlossene Wirtschaftskreisläufe sind hier weitaus wichtiger, als so einen Wettbewerb zu gewinnen.

Warum zieht man sich auch so sehr auf den Tourismus zurück? Davon allein kann niemand leben. Die klassischen Urlaubsländer wie Griechenland, Spanien und Italien haben das hinlänglich bewiesen. Die türkischen Mittelmeerregionen wiederholen gerade diesen Fehler.
Wir haben ja immerhin noch den Tourismus – ist das Eingeständnis des Scheiterns in anderen Bereichen.
Ich wünschte, dass in dieser Debatte die Verklärung des Tourismus als alleiniger Heilsbringer beendet wird. Gerade im Sinne der Uckermark. Die Uckermärker wollen und brauchen zwar Besucher und Gäste, aber doch nicht um jeden Preis. Eine Art menschenleeres Freilichtmuseum, wo nur auf Eseln geritten (CO2 neutral) und nachhaltig gewandert wird, möchte hier niemand etablieren. Übrigens, man reitet nicht auf den Eseln, sondern nutzt sie als Last- und Transporttiere.

Ich denke hierbei auch mal an die abertausenden von Uckermärkern, die sich in der Fremde für die Uckermark als Sieger freuen müssen, weil es daheim keine Arbeit, keine Perspektive und keine wirkliche Alternative für sie gab. Die sitzen jetzt wahrscheinlich im Allgäu oder im Schwarzwald, wo nach Ansicht der Wettbewerbsjury nicht ganz so nachhaltig gearbeitet wird, aber die Rahmenbedingungen (Arbeitsangebot, Verdienst etc.) stimmen.

Gewonnen – Und wie weiter?

Dann darf man gespannt sein; als Siegerleistung erhält die Region immerhin einen Imagefilm gesponsert. Weiterhin soll mit einer Plakataktion in großen deutschen Städten geworben werden. Hinzu kommt die Bahnwerbung auf einer ausgewählten Fernstrecke. Das finde ich etwas, nun ja, erstens doch recht übersichtlich und zweitens nicht sehr konkret.

  • Wer gestaltet den Imagefilm?
  • Wo wird der gezeigt? Wie oft?
  • Was wird auf den Plakaten zu sehen sein? In welchen Städten werden wieviele Plakate aufgehangen? Wie lange?
  • Wird das Internet so gar nicht bedient? Warum nicht?
  • Sind hier überhaupt Uckermärker am Prozess beteiligt oder ziehen irgendwelche übergeordneten Behörden oder Tourismus-Marketings-GmbHs die Sachen an sich?

Jetzt müsste die Verwertungsmaschine unter Ausnutzung dieses Preises eigentlich anrollen, denn spätestens in einer Woche fragen die Leute doch wieder „Uckermark?“