Die Uckermark

Die Uckermark – ein schönes Fleckchen Erde.

Hier kommt sie also, meine kleine Einführung und Liebeserklärung an diese Refgion im Nordosten Deutschlands. Ich will euch dabei auch nicht mit nüchternen Zahlen und Fakten nerven. Wer auf Wissensvermittlung wie im Erdkundeunterricht und das Herunterbeten von Jahreszahlen steht, kann ja bei Wikipedia über die Uckermark nachlesen.

Ein bisschen Hintergrundwissen kann aber dennoch nicht schaden.

Ein langer Weg

Namensgebend war der Fluß Ucker, der die Landschaft von Süd nach Nord durchfließt und an dessen Ufern der slawische Volksstamm der Ukranen siedelte. Seit der Aufsiedelung im Mittelater war das Land Zankapfel zwischen Brandenburgischen Markgrafen und Pommerschen Herzögen. Es ging um Einfluß und Macht in diesem Transitland. Da wurden Burgen zur Grenzsicherung gebaut, Raubzüge in die Nachbarschaft unternommen, Raubzüge abgewehrt … bis die Uckermark um die Mitte des 15. Jahrhunderts endgültig an die Mark Brandenburg fiel.
Seitdem hat sich nicht viel geändert. Die Mehrheit lebte weiter von der Landwirtschaft und sprach ihr Uckermärker Platt. Das Sagen hatte der auf wenige Familien verteilte Landadel, an den heute noch die vielen Gutshäuser erinnern.
Den 30jährigen Krieg er- und überlebten die Uckermärker mehr schlecht als recht. Wie in so vielen anderen vomKrieg betroffenen Landstrichen wurde die Bevölkerung drangsaliert, dezimiert; es fielen die Dörfer wüst und das gesellschaftliche Leben kam zum Erliegen. Diese Art Dornröschenschlaf dauert im Grunde bis heute an. Wir sind hauptsächlich bei der Landwirtschaft geblieben; hier und da kommt der Tourismus als neues Standbein hinzu. Schwedt als Industriestandort (Erdöl und Papierherstellung) ist eine Ausnahmeerscheinung und die einst blühende Solarindustrie in Prenzlau ist auch wieder auf dem absteigenden Ast.

Importierte Traumlandschaften

Landschaftlich ist die Uckermark von der letzten Eiszeit und der sich anschließenden Warmzeit geprägt. Hier findet man den gesamten Formenschatz vor, den das glaziale und postglaziale Repertoire zu bieten hat. Die gewaltigen Eismassen aus Skandinavien hinterließen Grundmoränen, Endmoränen, Sander und viele Teiche und Seen. Vor allem die Gegend um die Uckerseen gilt als typisch für die Uckermark. Hier kann ich auf den Höhen der Stauchendmoränen stehen und über die Schmelzwasserrinnen der Uckerseen weit in das Land blicken.
Ganz im Osten bildet das Urstromtal der Oder die Grenze zur Neumark in Polen. Hier erstrecken sich weiträumige Überflutungsflächen, Flußläufe und Altarme, die vielen Wassertieren und Zugvögeln ein Refugium bieten. Dieser Naturraum ist in seiner Anlage und kulturlandschaftlichen Ausprägung so wertvoll, dass man ihn vor über 20 Jahren durch die Ausweisung eines Nationalparks unter besonderen Schutz stellte. Hier hat sich vor allem ein sanfter Natur-Tourismus herausgebildet (Kanutouren, Kranichwochen, Radwege).

Während der Norden mehr ackerbaulich geprägt ist, nimmt im uckermärkischen Süden die Bewaldung sichtbar zu. Hier hat die Uckermark einen Anteil an der Schorfheide, einem geschlossenen Waldgebiet und Biosphärenreservat, das mit Rominten in Ostpreussen zu den Lieblingsjagdrevieren der preussischen (und nachfolgenden) Herrscher zählte.

Zwischen dem Unteren Odertal, den Uckerseen und der Schorfheide gibt es nun jede Menge Gegend, wie man hier sagt.
Sanft geschwungene Hügel, Felder, Wiesen und Weiden. Durch die Weite verlaufen oftmals die alten Kopfsteinpflasterstraßen, besonders gut zu erkennen, wenn sie von Kastanien oder Linden als Alleenbäume bestanden sind.
Das eiszeitlich abgelagerten Gesteine aus dem hohen Norden nutzte man nicht nur wie hier als Straßenbaumaterial, sondern auch für die Fundamente vieler Kirchen, Bauernhäuser. Aber auch alte Friedhofs- oder Stadtmauern bestehen aus den nur grob behauenen, rot und blau gefärbten Brocken. Von den Feldern wurden und werden sie mühsam abgesammelt und am Wegesrand zu unstrukturierten Mauern  aufgeschüttet. Oder sie wanderten in eine der vielen Schottermühlen, die es einst gab. Die, welche dann doch zu groß und schwer waren, blieben einfach als Findlinge liegen. Oftmals wurden Sagen und Mythen um den Stein gesponnen.

Der Landkreis Uckermark, der nur sehr grob das Gebiet der historischen Uckermark kennzeichnet, ist von der Fläche her größer als das Saarland. Da hier aber nur um die 120.000 Menschen leben, gilt dieser Landstrich als äußerst dünn besiedelt. Große Teile des australischen Outbacks haben eine höhere Bevölkerungsdichte. Die Bevölkerung konzentriert sich auf die wenigen Städte Prenzlau, Schwedt, Angermünde und Templin. Ausgemachte Goßstädte gibt es hier schon gar nicht, dafür jede Menge kleiner Dörfer.

Uckermärker

Kommen wir doch mal zum Uckermärker an sich.

Mit einem über Jahrhunderte gewachsenen und gefestigten Grundtypus und -charakter können wir leider nicht dienen. Dafür waren die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts einfach zu groß.
So wurden die Löcher, die die Flucht Anfang 1945 unter der Einwohnerschaft riss, von vertriebenen Ostpreussen und Pommern wieder aufgefüllt. Die brachten ihre ganz eigene Mentalität und Historie mit und taten sich recht schwer mit der Eingewöhnung. Zu DDR Zeiten kam die Delegierung „aufbauwilliger“ Südländer (Sachsen, Thüringer), Küstenbewohner (liebevoll Fischköppe genannt) und exil-Berliner hinzu. Da ist es schwer bis unmöglich, in diesem Gemisch einen Urtypus von Uckermärker auszumachen. Gilt doch den letzten verbliebenen Ureinwohnern nur der als echter Stammesangehöriger, der mindestens in 3. Generation den märkischen Sand unter den Füßen nachweisen kann. Das dürfte für viele von uns mehr als schwierig werden.
Trotzdem, Uckermärker sind die, die in der Uckermark leben. Irgendwo muss man da auch mal ein Machtwort sprechen. Und diese Uckis sind wie viele Flachlandtiroler eher wortkarg, bauernschlau und Fremden gegenüber etwas mufflig. Natürlich ist der Uckermärker davon überzeugt, in der schönsten Landschaft des Planeten zu wohnen. Auch ist der Uckermärker zutiefst empört, wenn man in New York (wahlweise andere Stadt/Region einsetzen) noch nichts vom Grützpott in Stolpe (wahlweise irgendeinen anderen uckermärkischen Ort einsetzen) gehört hat. Schließlich ist die Uckermark so etwas wie das Zentrum des Universums. Es sind auch alle herzlich eingeladen, sich davon als (zahlende) Gäste zu übrzeugen. Aber bitte nur tagsüber und in Maßen, irgendwann möchte man ja auch seine Ruhe haben. Berliner und Menschen mit sächsischem Zungenschlag dürfen … auch kommen. Mehr schreibe ich jetzt zu diesem Verhältnis nicht.

Was is(s)t ein Uckermärker oder auch Die Küche der Prüfungen

Der Uckermärker ist auch ein echter Bonvivant und Feinschmecker. Seit Friedrich dem Großen und seinem Kartoffelbefehl hat auch hier der Erdapfel  (Nudel genannt) eine Spitzenposition auf dem Teller eingenommen. Dazu gibt es ein großes Stück Fleisch mit Garnitur (liebevoll arrangierte Tomaten- und Gurkenscheiben) und ein Pils – und fertig ist das Luxusmahl. Mögt ihr Gerichte wie Wrukeneintopf, Grützwurst (ja, Tote Oma), gebratene Leber und Kohlrouladen? Eine fleischlastige, einfache und deftige Küche? Dann werdet ihr hier glücklich. Seid ihr so etwas wie ein Vegetarier? Oder Anhänger einer exotischen Küche? Pecht gehabt. Vor allem diese Marotte, sich nur durch die Sättigungsbeilage zu futtern, kann, davon ist der Ucki felsenfest überzeugt, nur aus dem verrückten Berlin stammen. Geschmacksexperimente werden nur zu Geburtstagen und besonderen Anlässen gemacht. Ein Besuch im Chinarestaurant (Pekingente) ist das höchste der Gefühle. Mir fällt jetzt auch gar kein Gericht ein, dass aus der Uckermark stammt und sich im gastronomischen Gedächtnis der Menschheit festgesetzt hat. Hier immer noch beliebte Gerichte wie Soljanka, Jägerschnitzel (gebratene Jagdwurstscheiben mit Tomatensoße) oder Eisbein mit Sauerkraut und Erbspüree waren DDR weit verbreitet und stammen nicht originär aus der Uckermark.

Bei den Getränken hatte ich ja schon das Bier erwähnt. Auch wenn das Hefeweizen immer weiter vordringt, bleibt hier das herbe Pils die erste Wahl. Edle Obstbrände, Grappa oder Aperitifs könnt ihr mal knicken. Da gehört ein ordentlich gebrannter Korn oder Jägermeister auf den Tisch.

Wie macht er sich verständlich?

Es wird sich unter Umständen nicht vermeiden lassen, dass ihr in bestimmten Situationen gezwungen seid, Kontakt mit den Einheimischen aufzunehmen. Da fragt ihr euch natürlich, ob es für solche Notfälle eine Smartfone-Übersetzungs-App oder ein gedrucktes Wörterbuch gibt. Leider waren wir für den Rest der Welt nie derart von Interesse, dass sich jemand die Mühe gemacht hätte, unsere Sprache für den Rest der Welt vollständig zu übersetzen. Aber keine Sorge, mit Händen und Füssen sowie einigen Grundvokabeln kommt man schon sehr weit.
Ich habe bereits erwähnt, dass sich unter den Uckermärkern viele Zugezogene befinden. Die sprechen dann natürlich ihren Heimatdialekt. Vom Uckermärker Platt ist nur noch wenig zu hören. Ein paar Mundartdichter und Lyrikvereine sorgen dafür, dass es nicht ausstirbt. Sonst spricht man hier das sogenannte Kanaldeutsch, bei dem es sich um eine geringfügige Abwandlung des äußerst beliebten Berliner Dialekts handelt. Es unterscheidet sich im Prinzip nur wenig vom Berlinerischen. Satzbau, Probleme mit der Fallbildung (Dativ, Genetiv und Tod – ihr wisst schon …), Vokalverschiebung (aus i wird ü) und Klang sind in ungefähr gleich, nur fehlen ihm die Berliner Orts-Charakteristika, die in der Uckermark auch keinen Sinn machen. Latschenarbeiter gibt es hier nicht, den Telespargel, Sankt Walter, die Rache des Papstes, den Wasserklops und Bonnies Ranch auch nicht. Dem Kanaldeutsch ist zudem so ein etwas derber Umgangston eigen, der im Berlinerischen noch durch einigermaßen lustige Sprachkonstrukte überdeckt wird. In der Uckermark wird die Freundin oder Lebensgefährtin liebevoll „die Olle“ oder „Alte“ genannt. Ist das weibliche Subjekt noch nicht im Status einer Lebensabschnittsgefährtin, wird sie erst einmal als „Ische“ registriert. Das männliche Gegenstück firmiert unter der Olle oder Typ/Macker – oftmals ostalgisch auch als „Männe“ bezeichnet (sofern eine rechtskräftige Eheschließung vorausging). Elternteile werden Vaddern oder Muddern bzw. die Buckligen gerufen. Möchte eurer uckermärkischer Gesprächspartner auf seinen Nachwuchs hinweisen, müsst ihr im Gespräch nach Wörtern wie Gören oder Blagen scannen. Letzteres Wort kommt zum Einsatz, wenn der Eltern-Kinder-Segen gerade etwas schief hängt. Die früheren Bezeichnungen Grovater und Großmutter mussten dem flotten Oppa und Omma weichen.

In der direkten und unmittelbaren Kommunikation werdet ihr anfangs noch nicht einschätzen können, ob euer Gegenüber Gefallen an der Unterhaltung hat bzw. sie überhaupt sucht. Die Gesprächsführung verläuft in beiden, ja in allen Fällen, gleich.

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