Rezension: Die Apfelgräfin – Daisy Gräfin von Arnim

Durch den Francke-Buchverlag kam ich nicht nur an ein Rezensionsexemplar von „Mit der Apfelgräfin durch das Jahr“ sondern mit „Die Apfelgräfin“ auch an die Art Biographie der Daisy von Arnim, die als erfolgreiche Unternehmerin in der Uckermark tätig ist.

In 20 Kapiteln wird auf 140 Seiten beschrieben, wie aus einer gelernten Buchhändlerin die Apfelgräfin aus der Uckermark wurde. Natürlich könnte man jetzt sagen, das wäre alles noch zu früh für eine Lebensbeichte, aber Biographien sind schon von weitaus jüngeren und unbedeutenderen Personen auf den Markt geworfen worden. Und hier liest sich das teilweise recht zügig weg. Das ist wahrscheinlich zu einem Großteil der Verdienst der „Ghostwriterin“ Kathrin Schultheis.

Was mich an diesem Buch so fasziniert ist dieses Schwanken zwischen der gesunden Auffassungsgabe, die die Autorin an den Tag legt und dem manchmal einfach nur albern klingenden Standesdünkel. Sie versucht zwar an fast jeder Stelle, irgendwelche Allüren wie selbstverständlich weit von sich zu weisen – aber Sprache und Gedanken verraten sie dann doch. Das „Jammern“ (ich nenne es jetzt einfach einmal so) über die nicht rückübereigneten Güter (die Familie von Arnim war eine der wohlhabendsten Adelsfamilien der nördlichen Mark Brandenburg mit einem immensen Landbesitz) nach der Wende liest sich jedenfalls in der Begründung recht seltsam. Nur der zurückkehrende Adel hätte das Wissen und die finaziellen Möglichkeiten, solche rückständigen Landstriche wieder erblühen zu lassen. Vielleicht tue ich der Frau jetzt damit Unrecht, aber genau dieser Eindruck entsteht beim Lesen dieser Passagen. Und dafür, dass sie selbst erst nach 5 Jahren Aufenthalt in der Uckermark mit der Verwertung der Äpfel ihre Bestimmung und eine solide finanzielle Basis gefunden hat, ist das Loblied auf den Adel nicht ganz nachvollziehbar.

Die Apfelgräfin

Die Apfelgräfin

Andererseits sind viele schöne Abschnitte in dem Buch enthalten. Abschnitte, in denen einfach auch ihr (teilweises) Verständnis für die Lebensverhältnisse und -wege in der DDR zum Vorschein kommt. Und vor allem die Fürsorge und Verantwortung für ihre Mitarbeiter. Sehr unterhaltsam aber auch anrührend ist beispielsweise das Kapitel um Matze und seinen Saufzickenbock.
Berührungsängste zu den ortsansässigen Uckis, die einen Fremden teilweise erst nach Jahrzehnten eines Blickes würdigen – die hat sie scheinbar nicht. Auch ist ihr Glauben an den Erfolg ihrer Unternehmung durch nichts zu erschüttern. Irgendwie geht es immer weiter – dieses Mantra zieht sich durch das ganze Buch.

Mit 140 Seiten hat es abgesehen von einige Leerlaufpassagen genau den richtigen Umfang, um es auf einer längeren Zugfahrt wegzulesen. Es ist stabil gebunden, Schrift und Papierqualität sind in Ordnung, bei Bildern wird weißes Hochglanzpapier verwendet (was in Ordnung ist), auch wenn das nichts an den z.T. recht unscharfen und zu kontrastreichen Bildern ändert. Aufgrund des Formats fallen einige Bilder zu klein aus. Einband und Bindung sind sehr robust, dieses Buch kann auch mal in der Jackentasche transportiert werden.

Was mich an diesem Buch allerdings stört, das ist einstweilen das Abhandeln von Belanglosigkeiten, die mir recht uninteressant erscheinen und diese überdrehte Frömmigkeit. Vor allem den letzten Punkt habe ich schon in der vorigen Rezension angesprochen. Hier wird das ganze Gerede von Jesus, Gott und Christenlehre wenigstens durch die turbulente Findungsphase in der Uckermark etwas überdeckt, aber alle ihre Bücher würden sich weitaus entspannter lesen, wenn dort ein Lektor mit straffer Hand zu Werke ginge.

Fazit


„Die Apfelgräfin“ ist eine recht kurzweilig zu lesende Biographie einer Unternehmerin, die mit nicht viel in die schönste Region Deutschlands gekommen ist und mittlerweile überregional bekannt ist. Vor allem für Leute, die vor ähnlichen Entscheidungen stehen, kann diese Lektüre durchaus von Nutzen sein. Es gibt Passagen und Kapitel, die ich weggelassen hätte, weil man nun wirklich alles aus dem eigenen Leben vor den Lesern ausbreiten muss. Auch bei den vielen Gottesbezügen kann einem schon schwindlig werden.
Die Photos aus der wunderschönen Landschaft und vor allem den Anfängen des Apfelunternehmens werten das Buch noch einmal auf.

 

One Reply to “Rezension: Die Apfelgräfin – Daisy Gräfin von Arnim”

  1. Sabine Härter

    Die Apfelgräfin in der Uckermark ist eine Bereicherung für die Region …toll das sie durchgehalten hat und an ihrem Ziel festgehalten hat denn es war auch ein schwerer Anfang ….

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