Das Uckermark Kochbuch – eine Rezension

Nachfolgend die Rezension des Uckermark Kochbuches von Herward Duewell aus der Limosa Edition.

Nchfolgend die Rezension des Buches Das Uckermark Kochbuch – Wo die Kartoffel Nudl genannt wird, das 2012 im Verlag Limosa Edition erschienen ist und für 21.90 € zu erwerben ist.

Inhalt

Das Kochbuch führt Rezepte, Bilder und Infotexte der Region Uckermark auf.
Die Uckermark ist Deutschlands (flächenmäßig) größter Landkreis und liegt etwa 80 Kilometer nördlich Berlins. Die Region wird auch Toskana des Nordens genannt. Hier wechseln sich durch die Eiszeit geprägte Hügellandschaften mit Wäldern, Wiesen und einer Vielzahl von Seen ab.
In dieser eher dünn besiedelten Region sind größere Städte selten zu finden, dafür viele reizvolle Dörfer mit ihren Feldsteinkirchen.
Duewell und sein Autorenteam versuchen nun den Spagat zu schaffen, gleichzeitig die Küche und die Region vorzustellen. Es gibt einen recht ansprechenden Mix aus Rezepten, Sagen, Anekdoten und Landschaftsbeschreibungen.

Über den Autor

Herward Duewell ist hauptberuflich Chefkoch im Restaurant „Wurlflut“ in Lychen. Er hat das hier vorliegende Buch größtenteils konzipiert und die meisten Rezepte beigesteuert.

Rezepte

So unspektakulär das Land und bodenständig die Einwohner sind, so einfach und geradlinig ist auch die uckermärkische Küche. Kulinarischen Experimenten steht der Uckermärker erst einmal vorsichtig und abwartend gegenüber. Vieles hat sich aus der märkischen Landküche und der DDR-Zeit erhalten. Mir persönlich sind viele dieser Gerichte auch aus anderen märkischen Gegenden und darüber hinaus bekannt, während ich jetzt keines als typisch uckermärkisch bezeichnen würde.
Die 168 Rezepte sind in 8 Rubriken unterteilt, wobei die Anzahl der Fleischgerichte deutlich heraussticht. Vegetarier haben es in der Uckermark nicht leicht. Ich hätte mir auch mehr Salate und leichte Gerichte für einen Zwischengang gewünscht, aber das gibt die Uckermärkische Küche scheinbar nicht her. Im folgenden die Rubriken und in Klammern die Anzahl der enthaltenen Gerichte:

  • Salate (9)
  • Suppen, Eintöpfe, Kaltschalen (21)
  • Fleischgerichte (42)
  • Fischgerichte (19)
  • Gemüsegerichte und Beilagen (18)
  • Nachspeisen (14)
  • Kuchen, Gebäck, Herzhaftes (26)
  • Haltbares und Eingemachtes (19)

Die Rezepte sind sehr einfach gehalten, alle Produkte und Zutaten sind zudem leicht erhältlich – sieht man von ein paar Ausnahmen ab. Die typographische Aufmachung des Rezeptbereichs ist sehr gelungen. Im Seitenkopf steht immer die Rubrik mit einem graphischen Symbol zur schnelleren Wiedererkennung, da die Schriftgröße hätte höher ausfallen können. Der Rezepttitel ist in einer angenehmen Kurrentschrift in dunkelgrüner Farbe gehalten, was dem ganzen einen modernen Eindruck verschafft. Die Zutatenliste ist gleich mit den Kochanweisungen sinnvoll kombiniert worden. So bleibt unter den Rezepten immer noch Platz für ein weiteres Rezept oder ein Bild aus der Uckermark. So schön und gelungen auch viele Bilder sind, man hätte sich das ein oder andere Mal ein Bild vom fertig zubereiteten Gericht gewünscht. Bei vielen Bildern im Kleinformat (etwa 5cm x 4 cm) ist der Schwarzanteil zu hoch ausgefallen, was in Publikationen öfter mal passiert, wenn die Bilder nicht extra für den Druck aufbereitet wurden. Auch sind Landschaftsmotive bei so einer geringen Bildgröße etwas verschenkt.
Unter vielen Rezepten steht ein weiterer Zubereitungshinweis oder wie man das Gericht sinnvoll ergänzen kann („Dazu schmecken Rotkohl und Salzkartoffeln“). Dieser Hinweis wurde in einem Kasten mit inversen abgerundeten Ecken untergebracht und in einer schönen Kursivschrift gehalten.

Ich habe bereits erwähnt, dass die Rezepte einfach gehalten wurden. Es sollte auch einem Kochanfänger möglich sein, diese problemlos nachzukochen.
Anderthalb Seiten am Ende des Buches sind der Erklärung von Küchenbegriffen, Maßen/Gewichten und Abkürzungen gewidmet. Ob sinnvoll oder nicht (muss man Begriffe wie „Abschmecken“ oder „Mehlschwitze“ erläutern?), das hätte natürlich vor den Rezepten aufgeführt werden müssen.

Bei vielen Rezepten freut man sich, diese wiederzulesen – sind es doch teilweise Lieblingsrezepte aus der Kinderzeit und noch weiter zurück. Andererseits ist hier Potential unnötigerweise verschenkt worden, da die Rezepte nicht modernisiert wurden. Altes bewahren und durch Verfeinerung und Neuinterpretation in die Zukunft führen ist nicht unmöglich. Ich habe zumindest meine Zweifel, dass Rezepte wie Lungenhaschee, Tollatschen oder Gänseschwarzsauer heute mit der gleichen Begeisterung nachgekocht werden wie zu Großmutters Zeiten. Bei vielen anderen Gerichten hoffe ich hingegen darauf, dass sie auch dank dieses Buches wiederentdeckt und geschätzt werden. Dazu zählen beispielweise Wrukeneintopf mit Schweinebacke, Falscher Hase, Himmel und Erde, Schmorgurken oder auch Stampfkartoffeln mit Buttermilch.
Warum manche Gerichte mit einem lokalen Zusatz versehen wurden (Brüssower Fischsalat oder auch Schwedter Selleriesalat), erschließt sich nicht. Wenn es dafür keinen triftigen Grund gibt, sollte dies in einer späteren Auflage weggelassen werden. Das betrifft ebenso Rezepte, die von Personen beigesteuert wurden, die anhand der Ortsnennung (Hamburg, Anklam, Usedom) nichts mit der Uckermark zu tun haben. Es gibt sicherlich regionale Küchenchefs, die eine Alternative nennen können.

Geschichten und Informatives

Viele der 24 Geschichten stammen von Eberhard Kaulich, einer festen Größe im Tourismusverein Lychen und der lokalen Literaturszene. Kaulich hat scheinbar auch Zugang zur Chronik und den Archiven der Stadt Lychen, zumindest lassen viele Infotexte zu geschichtlichen Anekdoten darauf schliessen. Es kommen aber auch andere Uckermärker zu Wort, wie zum Beispiel der Fischer Christian Blank, die tmu (Tourismus Marketing Uckermark GmbH), die „Apfelgräfin“ Daisy von Arnim oder Hans Benthin, der „Klostermüller“ aus Boitzenburg.
Die Geschichten zielen (notwendigerweise?) zum Großteil auf das Leben in vergangenen Zeiten ab. Brauchtum, historische Begebenheiten und Anekdoten von früher. Vielleicht mischt man das in der nächsten Ausgabe mit Eindrücken aus dem Hier und Jetzt.

Fazit

Das Buch ist ein ambitioniertes Projekt zur Vorstellung der Uckermärksichen Küche und Region. Auf hochwertigem Papier gedruckt und ansprechend konzipiert. Mit einem Listenpreis von etwas über 20 € fällt es meines Erachtens etwas zu teuer aus.
Die Geschichten sind unterhaltsam, die Bilder fangen die Region gut ein. Die Rezepte hätten etwas moderner, leichter und raffinierter ausfallen können.
Das Uckermark Kochbuch ist als Geschenk für einen einheimischen Hobbykoch genauso geeignet, wie für einen Ortsfremden, der aber dadurch von der Schönheit dieser Landschaft begeistert werden soll. Insgesamt eine Kaufempfehlung.

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