Ein Besuch beim Preussischen Whisky in der Uckermark

Es ist ein Samstag im Oktober. Die Sonne bietet noch einmal alle Kräfte auf und lässt das bunte Herbstlaub an den Bäumen gold erstrahlen. Ein letzter Rest Wärme liegt über dem Land.
Ich bin unterwegs zu einem nicht ganz alltäglichen Reiseziel in der Uckermark. Die Preussische Whiskydestillerie lädt im Dorf Schönermark zum Tag der Offenen Tür.Die Uckermark zwischen Angermünde und Schwedt präsentiert sich dem Besucher von ihrer besten Seite: die offene, leicht hügelige und von Söllen durchsetzte Landschaft der Landiner Heide wechselt sich mit den Wiesen und Weiden des Welsebruchs ab. Die Felder sind größtenteils abgeerntet, nur hin und wieder stehen ein paar reife Maispflanzen. Es geht vorbei an kleinen Dörfern wie Passow und Grünow vorbei hinein in den Ort Schönermark.

Der zur Destille umgebaute alte Pferdestall des Gutshofes in Schönermark.

Standort der Destille / Preussischer Whisky

Hinter dem Dorfanger liegt der etwas in Vergessenheit geratene Gutshof. Die großen Gutsbetriebe bestimmten östlich der Elbe das gesamte ländliche Leben bis 1945. Danach übernahmen die staatlichen LPG’s oftmals die alten Anlagen.
Im ehemaligen Pferdestall hat seit 2008 die Preussische Whiskydestillerie eine neue Heimat gefunden. Chefin dieses Ein-Personen-Betriebes ist Frau Cornelia Bohn, eine offene und sympathische Frau, aus der Gegend stammend. Eine echte Macherin mit viel Enthusiasmus, das wird einem sofort klar. Zusammen mit ihrem Mann hat sie den Pferdestall mit hohem Aufwand restaurieren und zu einem Produktionsstandort für den einzigen Whisky aus der Uckermark umbauen lassen. Wieviel Arbeit und Aufwand hineingeflossen sind, lässt sich nur schwer erahnen. Dabei helfen die Photos aus dem Album, die das Ehepaar Bohn den Besuchern bereitwillig zeigt.
Es sind mehr Besucher da, als ich erwartet habe. Schließlich muss diesen kleinen Flecken herrlicher Landschaft erst einmal finden und dann wurde das Event auch nur leise und dezent beworben (Facebook-Fanpage + Webseite).

Cornelia Bohn beim Tag der Offenen Tür vom Preussischen WhiskyGut gelaunt heisst Cornelia Bohn ihre Besichtigungsgäste willkommen und erklärt anschaulich, wie denn die Whiskyherstellung abläuft.

Der ganze Stolz ist natürlich die Destillationsanlage vom Hersteller Arnold Holstein aus Markdorf am Bodensee, deren kupferne Apparatur blinkt und glänzt. Eigentlich werden damit Obstbrände destilliert, es wird also interessant sein, ob dies Auswirkungen auf den Whisky haben wird.

Die Destille von Preussischer Whisky in Schönermark/Uckermark

Die Destille von Preussischer Whisky

Die Brennblase fasst 500 Liter, der Maischebehälter etwa 1000 Liter. Das sind natürlich keine Verhältnisse im Vergleich zu etablierten Produzenten, aber für eine private Brennerei völlig ausreichend. Gebrannt wird im Gegensatz zu den schottischen Kollegen im Kolonnenverfahren. Es gibt auch noch andere Unterschiede, wobei das junge Alter des Whiskys wohl das auffälligste ist. Der Preussische Whisky ist als dreijähriger Single Malt angelegt, den es dann in Fassstärke zu trinken geben wird. Während viele andere Hersteller beispielsweise mit Zuckerkulör arbeiten, um die Farbgebung zu beeinflussen, kommt bei Frau Bohns Whisky nur das herein, was auch hineingehört. Nicht mehr, nicht weniger.

Der spätere Empfangsraum ist schon mal hübsch dekoriert worden.Die Kunst wertet den späteren Empfangsraum deutlich auf.Die Anlage wird von zwei bis zur Hälfte des Raumes eingezogenen Wänden von einem etwas größerem Vorraum abgetrennt. Dieser Bereich soll einmal als Empfangsraum dienen. Hier sind bereits jetzt einige Skulpturen des lokalen Künstlers Jörg Steinert ausgestellt. An den abgestrahlten Ziegelsteinwänden hängen überlebensgroße Graphiken. Für die Besucher stehen Getränke, Kaffee und etwas Knabberzeug bereit. Vom Whisky kann zur großen Enttäuschung vieler nicht gekostet werden.

Das Malz bezieht Frau Bohn aus der fränkischen Biermetropole Bamberg. Auch uckermärkische Bauern liefern ihre Braugerste nach Bamberg, die guten Erzeugnisse der Region gelangen somit auf Umwegen wieder in den Whisky zurück. Es handelt sich übrigens um dasselbe Malz, das z. B. auch bei der Herstellung des Schlenkerla verwendet wird, einem in Bamberg legendären Rauchbier mit intensiver Geschmacksnote.

Das Brennen von Whisky hatte in Deutschland keine Tradition, das Brennen von Korn- und Kartoffelschnäpsen war hingegen weithin verbreitet. Selbst im alten Gutshof von Schönermark wurde ab 1850 Getreideschnaps gebrannt. Die entsprechenden Räumlichkeiten schließen sich direkt an den Pferdestall an und der alte Schornstein steht auch noch.

Im Lager von Preussischer Whisky reifen zur Zeit 36 Fässer Whisky

Whiskyfässer

Im Raum neben der Destille lagert der Whisky in selbstgezimmerten Regalen 3 Jahre bis zu seiner Reife. Cornelia Bohn greift dabei auf Fässer aus deutscher und amerikanischer Eiche zurück. Dazu kommt eine Handvoll Fässer, in denen vorher amerikanischer Bourbon reifte. Das hat schon experimentellen Charakter, verrät die Chefin, da sich der Whisky in den Bourbon-Fässern weitaus schneller färb. Ein Fass beinhaltet etwa 225 Liter und bis jetzt lagern hier 36 Fässer.
Die erste Charge, die die vorgeschriebene Mindestlagerdauer erreicht, umfasst 5 Fässer, wovon 3 in den Verkauf gehen. Das Fass Nummer 1 verbleibt in Familienbesitz und bei einem weiteren Fass wird mit einer längeren Lagerdauer experimentiert. Man kann sich unverbindlich für eine Flasche pro Person registrieren lassen.

Ob sich der ganze Aufwand auch einmal lohnen wird, ist eine Frage, die mir die ganze Zeit durch den Kopf geht. Aber Frau Bohn betreibt hier eine nicht ganz alltägliche Unternehmung. Die nächsten Whisky-Brennereien sind erst wieder auf Rügen und im Spreewald zu finden und schon jetzt genießt das Projekt Kultstatus.
Aber bei Cornelia Bohns Enthusiasmus und Tatkraft bin ich mir sicher, dass dem Preussischen Whisky eine große Zukunft beschert wird: Ein Whisky aus der Uckermark, der so ganz anders sein wird, ganz eigen. Während seine großen Brüder aus Schottland bzw. Irland des Absatzes wegen eher brave Gesellen sind, soll der Preussische Whisky ein unverwechselbares Geschmackserlebnis bieten.

Als Startschuss für den Verkauf des ersten Whiskys wird der 12. Dezember diesen Jahres angestrebt. Dann wird der Whisky in Fassstärke in 0,5 L Flaschen abgefüllt, handsigniert und in den Verkauf gebracht. Als Erstverkaufspreis wurden 50 € pro Flasche vereinbart. Das gilt aber nur für die direkt verkauften Einheiten. Die Zwischenhändler können da noch einmal unterschiedliche Aufschläge machen. Die weitere Preisentwicklung ist von vielen Faktoren abhängig und kann daher nur abgewartet werden. Die Beschäftigung mit dem Whisky ist für Frau Bohn ja auch nur ein Hobby neben der richtigen Arbeit in der Pharmazie, das finanziert werden muss. Daher ist vorgesehen, dass nur im Abstand von 3 Monaten Whisky gebrannt wird.

Es ist geplant, im Obergeschoss Unterkünfte herzurichten, um den Interessenten von weiter weg eine entspannte Anreise zu einer Kostprobe und gleichzeitig einen Besuch der schönen Uckermark zu ermöglichen. So wird der Whiskey ganz sicher noch mehr Freunde finden.

Der nächste wichtige Termin ist also der 12. Dezember 2012, hier wird dann der erste Whisky abgefüllt und verkauft. Im nächsten Jahr besteht dann wieder die Möglichkeit an ca. 4 Offenen Tagen beim Preussischen Whisky vorbeizuschauen und sich schlau zu machen.

weitere Impressionen vom Besuch bei Preussischer Whisky

Mit der Destille der Firma Holstein/Bodensee werden sonst Obstler gebrannt.Der Maischebottich fasst 1000 Liter.Neben deutschen kommen auch amerikanische Eichenfässer zum Einsatz.Das legendäre Fass Nummer 1 geht in den Familienbesitz über.Die Besucher wurden nett empfangen.Also diesem Motto schließe ich mich an.Der liebevoll restaurierte Pferdestall - heute Produktionsstandort von Preussischer Whisky

4 Replies to “Ein Besuch beim Preussischen Whisky in der Uckermark”

  1. Mandsfeld

    Kann man die Destillerie wirklich nur an Tagen der offenen Tür besichtigen? Wie oft finden diese statt? Mich würde ein Besuch sehr interessieren!

Es können keine Kommentare abgegeben werden.