Rezension: „Schwedt an der Oder“

Meine Rezension zum Geschichts-Bildband „Schwedt an der Oder“ von Hans-Jörg Wilke.

Im Sutton Verlag aus Erfurt erscheinen eine ganze Reihe von Büchern, die sich mit der Regionalgeschichte der Uckermark aber auch des Barninm beschäftigen. So zum Beispiel das 2003 in der Reihe Archivbilder erschienene „Schwedt an der Oder“.

Autor ist Hans-Jörg Wilke, der auch schon andere lokalhistorische Publikationen verfasst hat.

Inhalt

Wir haben es hier mit einem durch textliche Erläuterungen ergänzten Bildband über die Stadt Schwedt an der Oder zu tun. Die Bilder spannen einen zeitlichen Rahmen von der Kaiserzeit bis ca. Ende der 1930er Jahre. In diesem Zeitraum erfolgten dann auch die ersten erheblichen Neuerungen in technischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Der ehemalige kleine Flecken an der Oder wurde an das Eisenbahnnetz, Fernsprecher- und Stromnetz angeschlossen, erhielt eine vernünftige Kanalisation und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Poldersystem im Odertal umfassend ausgebaut. Über diese Entwicklungen versucht das Buch Auskunft zu geben.
Das Buch beinhaltet 227 Abbildungen, wovon der überwiegende Teil Photographien sind. Dazu gesellen sich eine Handvoll Werbeflyer und Postkartenmotive. Dazu gibt es wie bereits erwähnt, textliche Erläuterungen und Ergänzungen.

Der Leser erhält Einblick in eine Zeit und Stadt, die nach 1945 und vor allem 1959 einem umwälzendem Wandel unterzogen wurde. Was der 2. Weltkrieg noch übrig ließ, wurde mit dem Aufbau des PCK (zuerst reine Erdölverarbeitung) nach und nach endgültig beseitigt. Der Umbau zu einer sozialistischen Industriestadt erfolgte radikal und krempelte das Gesicht der alte Perle an der Oder komplett um. Dieser Publikation gehört also in mehrfacher Hinsicht Respekt gezollt.

Die Abbildungen sind in 10 Kategorien eingeordnet, die auch in dieser Reihenfolge im Buch abgehandelt werden:

    1. Handwerk und Gewerbe
    2. Polder- und Brückenbau
    3. Handel und Verkehr
    4. Stadt und Militär
    5. Kinder und Schulen
    6. Vereinsleben
    7. Tabakanbau und -verarbeitung
    8. Landwirtschaft
    9. Ausflüge in die Umgebung
    10. Feste, Feiern und Umzüge

Bei über 60 Familien und im Stadtmuseum ging der Autor auf die Jagd nach photographischen Quellen. Hier wurde wahrlich ein kleiner Schatz gehoben, der sonst in vielen Fällen in Vergessenheit wenn nicht gar verloren gegangen wäre. Man kennt ja den Weg, den alte Photographien gehen, wenn sie irgendwann einmal den Nachfolgegenerationen nichts mehr sagen und bedeuten. Bei der Auswahl der Photographien hatte Wilke dazu ein glückliches Händchen. Es passt alles gut zusammen. Man hätte sich nur eine andere Kategorienbildung und Reihenfolge gewünscht. Es hätte sicher nicht wenige Leser interessiert, wie die Menschen im alten Schwedt lebten, wie die Häuser und Wohnungen aussahen usw.

Dass Schwedt für über 200 Jahre eine Garnisonsstadt war, ist jetzt vielen Schwedtern wieder bewusst – dass aber sogar der Kaiser Wilhelm II. auf Besuch dort war, habe ich erst aus diesem Buch erfahren. Ebenso von den großen Dampfsägewerken, die es einst gab. Erfreulich, dass mit Vierraden, Heinersdorf, Niederkränig, Fiddichow und Nipperwiese auch Orte vorgestellt werden, die zwar nicht mehr zum Schwedter Stadtgebiet gehören, aber in mehrfacher Hinsicht mit der Stadt verbunden sind. Zumal die letztgenannten Orte auf der anderen Seite des Odertals liegen und heute zu Polen gehören.

Aus der Stadt sind die meisten der im Buch behandelten Gebäude, Plätze und Straßen verschwunden oder wie im letzten Fall umbenannt worden. Hier wäre es gut gewesen, wenn dem Buch ein, zwei zusätzliche Seiten für einen Stadtplan mit den wichtigsten Straßen und Gebäuden und Plätzen spendiert worden wäre. Allein die Nennung der alten Straßenbezeichnungen oder Angaben wie „in der Nähe des heutigen xyz“ helfen leider wenig weiter. Vielleicht wird das in einer der nächsten Auflagen nachgeholt.

Design und Layout

Stadtansichten von Schwedt

Stadtansichten

Das Buch ist recht einfach gesetzt worden. Sieht ein bischen aus, als ob das über MS Word erfolgt ist. Schade.
Die Abbildungen platzsparend verteilt aber nicht ohne ihnen den nötigen Raum zum „atmen“ zu lassen. Zu den Bildern fehlen mir Bildtitel bzw. -untertitel mit Angaben zur Aufnahmezeit und Herkunft. Das muss man sich z.T. mühsam aus den Texten darunter erlesen, die viel zu dich an die Bilder gesetzt wurden. Bei Gruppenbildern hätte man besser auf die Namensnennung einer jeden abgebildeten Person verzichtet. Aber vielleicht war das auch eine Bedingung seitens der Bildbesitzer (?).
Die Papier- und Druckqualität sind sehr gut. Bei den Bildern gibt es nichts auszusetzen. Erstens muss man bei solchen historischen Aufnahmen mit der Qualität zufrieden sein, die man bekommt. Und zweitens sind die Bilder vonm Schwarzanteil (der beim Drucken immer etwas zu hoch ist) gut ausbalanciert worden.
Es wurde glatt-weißes Papier, ein bischen zu leichtes, Papier verwendet, auf dem sich die Schrift dennoch nicht überstrahlt.

Fazit

Dieser Bildband richtet sich an Interessierte für Schwedter Stadtgeschichte. Da es sich zusätzlich noch um einen mit 50 Jahren klar umrissenen und übersichtlichen Zeitraum  handelt, wird die Zielgruppe eher eingeschränkt sein. Die bekommt hier aber eine informative Publikation mit Daten und Anekdoten, die nur noch wenigen Leuten bekannt sein dürften. Auch wenn der Preis mit 17,90 € nicht ganz günstig ist, kann jungen wie alten Schwedtern dieses Buch nur empfohlen werden.

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