Das Tal der Liebe bei Schwedt

Der als Tal der Liebe bekannte Landschaftspark ist ein wahres Kleinod im Unteren Odertal. Im Dreieck zwischen Niederkränig (Krajnik Dolny), Hohenkränig (Krajnik Gorny) und Niedersaathen (Zaton Dolny) gelegen, handelt es sich zwar nicht mehr um ein rein uckermärkisches Ausflugsziel, aber das nahegelegene Schwedt erlaubt einen schnellen Abstecher hierhin.

Der Landschaftspark lag seit fast 70 Jahren in Vergessenheit und Verwahrlosung, bis er durch eine deutsch-polnische Initiative wieder hergerichtet und Ausflüglern zugänglich gemacht wurde. Leider fehlt es an finanziellen Mitteln und praktischen Möglichkeiten, das Tal der Liebe wieder in seinen Ursprungszustand zu versetzen.

Geschichte des Tals der Liebe

Wanderwege Tal der Liebe

Wanderwege im Tal der Liebe

Vor mehr als 150 Jahren begann die Geschichte dieses Landschaftsparks. Große Teile des Tals gehörten der Familie von Humbert, die das Landgut Hohenkränig bewirtschaftete. Schon damals lag der genaue Ursprung des Landschaftsparks im Nebel der Verklärungen und Umdeutungen verborgen. Heute gilt als gesichert, dass Anna von Humbert (die Gattin des Gutsherrn Carl Philipp von Humbert) den Park anlegen ließ. Ob das nun als Überraschung und Liebesbezeugung für den abwesenden Gatten gedacht war, war auch damals Gegenstand zahlreicher Spekulationen. Es wird von einem Transparent am Parkeingang berichtet, das mit der Aufschrift

„Willkommen im Tal, das die Liebe schuf“

nicht nur den vermissten Ehemann sondern auch andere Gäste willkommen hiess. Einer dieser Gäste sprach in einem Zeitungsbericht von einem Tal der Liebe. Somit war die inofizielle Bezeichnung geboren und hat sich die Jahrzehnte über erhalten.

Niedersaathen

Niedersaathen

Die „Nieder Saathener Anhöhen“ (so die Eigenbezeichnung durch die Besitzer) waren früher nur durch drei von Obstbaumalleen von Hohenkränig aus erreichbar. Die im Park neu gepflanzten und für diese Gegend untypischen Baumarten wie Platane, Edelkastanie, Tannen und Fichten stammen wahrscheinlich aus Berliner Baumschulen. Nach und nach kaufte die Familie von Humbert weitere Flächen und Grundstücke auf und erweiterten so den Park zum Odertal hin. Ausnahme bildete der Neuhof, ein Vorwerk nördlich von Niedersaathen, dessen Besitzer nicht verkaufen wollte. Er erklärte sich aber einverstanden, auf seiner Parzelle ein sogenanntes Schweizerhaus zu errichten. Schweizerhäuser waren eine der alpinen Begeisterung der damaligen Zeit geschuldete Mode und waren im Unteren Odertal recht häufig anzutreffen. Die im alpenländischen Stil mit reichem Schnitzwerk und Balustraden erbauten Gebäude wurden oftmals als Ausflugsgaststätten oder Sommerhäuser genutzt.

Schutzhütte Tal der Liebe

Retro Forsthaus
Tal der Liebe

In dem gleichen Stil wurde auch die dringend benötigte Försterei errichtet, in der Förster Karl Thomas zwischen 1872 – 1933 das Gebiet betreute und als guter Geist die Familie Humbert beim Ausbau und der Erhaltung des Parks unterstützte. Noch in die Zeit von Anna von Humbert fiel die Ausweisung zahlreicher Aussichtspunkte auf den Hügelketten, die durch Wanderwege miteinander verbunden wurden. Da wären zum Beispiel die Bastei, der Schirmberg und der Gedenkberg, die auch heute bestiegen werden können.
1927, anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Gutsübernahme durch die von Humbert Familie begann Rene von Humbert den Park umzugestalten und viele Gedenksteine und architekturelle Marken zu setzen. Es wurden Zierteiche angelegt, Büsten und Skulpturen aufgestellt und kleine Brücken gebaut. Der Charakter des Parks wandelte sich. Es kamen mehr Ausflugsgäste (sogar von Stettin und Berlin) und Schulklassen besuchten das Tal auf Wanderungen und zu Ostern war das Eiertrudeln hier groß in Mode (wie jetzt immer noch am Stolper Turm). Das zeigte sich auch in der wachsenden Infrastruktur. Im ehemaligen Steigerhaus (es wurde hier kurzfristig Braunkohle abgebaut) florierte die Gaststätte Waldkater und auch die Fahrgastschiffahrt von Schwedt oder Mescherin brachte immer mehr Tagesgäste in den Park.

[AFG_gallery id=’1′] Diese Besucher-Hochphase endete 1945. Fast wäre auch das Tal der Liebe für immer verloren gewesen – denn der Park verwilderte, die Bauten wurden durch Vandalismus zerstört und der Baumbestand durch eine geänderte Fortwirtschaft komplett umgekrempelt. Erst lange nach 1989 besann man sich auf das Erbe am anderen Oderufer und versucht seit einigen Jahren, an die alte Tradition anzuknüpfen. Eine Initiative hat die Wanderwege soweit möglich wieder hergerichtet, auf den Aussichtspunkten neue Sitzbänke und Unterstände aufgestellt, Geländer repariert und Wanderwege ausgewiesen.

Wer mehr über die interessante und wechselhafte Geschichte des Tals der Liebe erfahren möchte, ist auf der Homepage der Initiative zur Restaurierung genau richtig.

Bilder und Impressionen aus dem Tal der Liebe

Die Bildersammlung zeigt wahrlich nicht den vollständigen Landschaftspark – mich hatte an diesem Tag ein Frühlingsgewitter überrascht.

Weitere Bilder sind in Arbeit und werden dann hier gezeigt.

Von Schwedt zum Tal der Liebe

Der einfachste Weg, zum Tal der Liebe zu kommen, führt den Uckermark-Reisenden über Schwedt an der Oder. Für diesen Abstecher einfach das Fahrrad benutzen – schliesslich liegen der Nationalpark Unteres Odertal und der Oder-Neiße-Fernradweg direkt vor der Haustür.

Von der Schwedter Altstadt aus führt der Weg über die Kanalbrücke durch die Polder bis zur polnischen Grenze. Bereits ab der Kanalbrücke sollte man die linke Seite benutzen, weil nur dort ein Radfahr-/Fußgängerstreifen parallel zur Straße verläuft. Angesichts des lauten und lästigen Grenzverkehrs möchte man nicht direkt auf der Straße fahren. Wenn man keine Umwege durch die Polder fahren möchte, ist dies die einzige Route zur Oderbrücke und nach Polen.
Nach der Brücke (ca. 30 Meter)  biegt man in Niederkränig die erste Straße rechts ab (am Lebensmittelgeschäft). Die Straße führt (zuerst noch asphaltiert, dann als Sandweg) an der Oder entlang aus Niederkränig hinaus. Rechts die gemächlich dahinziehende Oder, links die steil ansteigenden und bewaldeten Oderhänge. Nur ein paar hundert Meter und man wird durch die erste Hinweistafel und Unterstand auf das beginnende Tal der Liebe hingewiesen.

Es ist empfehlenswert, entweder bis zum ehemaligen Neuhof oder zum Fuss der Bastei (südliche Grenze des Parks) vorzufahren. Den Neuhof erkennt man durch eine Freifläche im Wald und die Bastei an der Holztreppe und den Unterständen kurz vor den ersten Gebäuden Niedersaathens. Ich empfehle die Bastei, da man dort schon nach wenigen Minuten einen tollen Ausblick auf die Oderniederung und Niedersaathen genießen kann.

Sehenswertes im Tal der Liebe

  • Bastei
  • Schirmberg
  • Schweizerhaus

wird ergänzt